Save Our Seeds - Rettet unser Saatgut!
Save Our Seeds (SOS) ist eine Kampagne, die bereits seit dem Jahr 2002 vom Berliner Büro der Zukunftsstiftung Landwirtschaft betreut wird.
Auslöser waren Versuche multinationaler Unternehmen, auf EU-Ebene Schwellenwerte für die zulässige Verunreinigung herkömmlichen Saatgutes mit gentechnisch veränderten Organismen einzuführen. Da Saatgut lebt und sich vermehrt, bedeutet dessen Verunreinigung eine unkontrollierte Ausbreitung gentechnisch veränderter Pflanzen in der Landwirtschaft. Selbst scheinbar geringe Verunreinigungen von z. B. 0,3 % des Saatgutes würden deshalb eine gentechnikfreie Landwirtschaft mittelfristig verunmöglichen.
Deshalb formulierten im April 2002 zahlreiche Nichtregierungsorganisationen (NRO) aus ganz Europa eine Petition zur Reinhaltung des Saatgutes. Bereits im Oktober konnten Unterschriften von 80.000 Personen und über 100 Organisationen den damaligen EU-Kommissaren Franz Fischler und David Byrne überreicht werden. Eineinhalb Jahre später waren es über 200.000 Unterschriften und gut 300 Organisationen mit ca. 25 Millionen Mitgliedern. Die Europäische Kommission legte daraufhin ihre Gesetzesvorlage auf Eis. Doch die Petition läuft weiter und kann von Eizelpersonen und Organisationen online unterzeichnet und eingesehen werden. Denn noch ist der Streit um die Gentechnik im Saatgut nicht entschieden.
Save Our Seeds wird vom Berliner Büro der Zukunftsstiftung Landwirtschaft koordiniert und ausschließlich aus Spenden finanziert. Ziel ist ein Reinheitsgebot für Saatgut in der Europäischen Union.
Auf der website von SOS finden Sie hierzu auf Deutsch und Englisch den neuesten Stand der Dinge, eine Übersicht über die europäische Gentechnik-Gesetzgebung, wissenschaftliche und politische Hintergrundinformationen sowie aktuelle Nachrichten, Veranstaltungshinweise und Informationsmaterial zum Ausdrucken.
Daneben organisiert Save Our Seeds seit 2005 jährlich die europäische Tagung gentechnikfreier Regionen. Mehr als 260 Regionen, über 4.500 Gemeinden und Zehntausende von Bauern in Europa haben ihr Territorium bereits zu gentechnikfreien Regionen erklärt.
Anlässlich der Verhandlungen der Konvention zur biologischen Vielfalt und ihres Protokolls zur biologischen Sicherheit organisierte Save Our Seeds im Mai 2008 den internationalen Kongress Planet Diversity in Bonn. 6.000 Menschen aus 90 Ländern der Welt demonstrierten gegen Gentechnik und Patente auf Leben, für bäuerliche Landwirtschaft und den Erhalt der biologischen Vielfalt. 15.000 besuchten das Festival der Vielfalt.
2009 veröffentlichte das Berliner Büro der Zukunftsstiftung schließlich die Broschüre "Wege aus der Hungerkrise" und eine website über den Weltagrarbericht, in dem es um grundlegende Fragen einer weltweiten nachhaltigen und gerechten Zukunft der Landwirtschaft geht. "Weiter wie bisher ist keine Option" ist die Botschaft von über 500 Wissenschaftlern/innen, die im Auftrag der UNO und der Weltbank fünf Jahre lang den Stand des Wissens zu dieser Frage zusammengetragen haben. Schließlich verabschiedeten 60 Regierungen diesen Bericht. Die deutsche Bundesregierung war leider nicht dabei.
Die Ergebnisse dieses Berichtes sind wegweisend. Sie können den Ausgangspunkt für ein neues Verhältnis zu Landwirtschaft und Ernährung bilden. Deshalb verbreiten wir sie und denken gemeinsam darüber nach, welche praktischen Schlüsse daraus zu ziehen sind.
In Deutschland organisiert Save Our Seeds gemeinsam mit engagierten Saatgutinitiativen und vielen privaten Unterstützern/innen die Aktion Bantam Mais. Mit diesem "Aufstand der Zwerge" setzen Jahr für Jahr rund 50.000 Menschen ein sichtbares und köstlich schmeckendes Zeichen. Sie bauen samenfesten Süßmais statt gentechnisch veränderter Hybride auf ihren Höfen und in ihren Gärten an. Die Aktion bietet viele Möglichkeiten der Beteiligung und Öffentlichkeitsarbeit und setzt der eigenen Kreativität keine Grenzen. Das 2009 vorerst verhängte Anbauverbot für Gentechnikmais in Deutschland war dabei ein wichtiger Erfolg.
Allerdings haben die EU-Kommission in Brüssel und die neue Koalition in Berlin klar zu erkennen gegeben, dass sie an dem Ziel festhalten, die Gentechnik in die deutsche und europäische Landwirtschaft einzuführen. 2010 ist deshalb ein neuer Vorstoß für die Einführung von Verunreinigungs-Grenzwerten im Saatgut ebenso zu erwarten wie die Zulassung neuer Gentechnik-Sorten.
Der Bewegung für gentechnikfreie Landwirtschaft und sauberes Saatgut stehen große Herausforderungen bevor und Save Our Seeds eine Menge Arbeit. Um diese Arbeit zu finanzieren, sind wir für jede Spende dankbar.
